Praxistipp 2 auf dem Weg
zur eigenen Ladeinfrastruktur
Haben Sie sich tatsächlich das
bestmögliche Angebot eingeholt?
Wohnimmobilien sind vielfältig, ebenso ihre Eigentümer oder betreibenden Gesellschaften wie Immobilienverwaltungen, sowie deren persönlichen Vorhaben. Mit der wachsenden Vielfalt der Bedürfnisse und Anforderungen wächst auch die Vielfalt möglicher Lösungen, sowohl in technischer als auch preislicher Hinsicht.

Zweifelsohne werden Sie sich bereits Gedanken über die erforderliche Leistungsfähigkeit Ihres geplanten Systems gemacht haben oder zumindest gemutmaßt, wie viel Ladeleistung Sie für Ihr E-Auto im Alltag benötigen werden. War die verfügbare Auswahl an Wallboxen inkl. Zubehör und deren Hersteller aufgrund der schleppend verlaufenden Mobilitätswende bisher eher klein, so hat sich inzwischen ein regelrechter Wildwuchs im einst schmalen Absatzmarkt etabliert. Die Zahl der Produktlösungen sowie Full-Service Anbieter zur Projektabwicklung hat dramatisch zugenommen, nicht immer lassen sich einzelne Angebote mit externen Softwareanwendungen zusammenführen.
Die Angebotspalette und das Leistungsspektrum privat oder gewerblich verfügbarer Ladelösungen hat sich im Verlauf der letzten Jahre erheblich verbreitert und ausdifferenziert. Die Spannweite reicht von der einzelnen Ladestation am Stellplatz für ein kleineres E-Auto bis hin zur komplexen Ladeinfrastruktur für einen gewerblichen Fuhrpark mit zahlreichen Elektrofahrzeugen und konstant hohem Ladebedarf. Eine wachsende Anzahl von Full-Service Anbietern, insbesondere Start-ups oder junge Ableger etablierter Energieversorger, bieten maßgeschneiderte Angebots- und Leistungsspektren, sowohl für Privathaushalte, Hausverwaltungen und Immobilienunternehmen, private und kommunale Unternehmen oder sogar öffentliche Körperschaften, an.
Wie hoch ist der Bedarf? Das hängt maßgeblich vom Kundentyp ab
Oft ist der konkrete Bedarf relativ gering und das Projekt bereits im Vorfeld gut abschätzbar und zu skizzieren, da nur ein zu ladendes Elektrofahrzeug vorliegt und es nur einer Ladestation für ein kleines privates Wohnobjekt bedarf. Doch es gibt auch Ausnahmen im Bereich Wohnobjekte, insbesondere für große Immobilien mit zahlreichen Stellplätzen und einer hohen erforderlichen Ladeleistung. Einige Eigentümer oder für diese tätige Hausverwaltung melden einen Bedarf an, der scheinbar eher privatwirtschaftlichen oder kommunalen Unternehmen entspricht. Dementsprechend hoch können auch die Kosten ausfallen und so manche Finanzierungs- und Anschaffungskosten für das ohnehin nicht gerade günstige Elektrofahrzeug übertreffen.
Die Kunden für Ladelösungen bewegen sich nahezu immer in klar trennbaren Kundenmärkten mit gewissen Anforderungen, Bedürfnissen oder Kostenrahmen, doch gelegentlich verwischen im Einzelfall die Grenzen. Große Wohnimmobilien zur privaten Nutzung, wie größerer Mehrfamilienhäuser mit mehreren Miet- oder Eigentumswohnungen, befinden sich faktisch oft in einer Schnittstelle zwischen Business-to-Business (B2B) sowie Business-to-Consumer (B2C). Entsprechend groß fällt der Bedarf an standardisierten Ladelösungen und dem Projektumfang bei herkömmlicher Herangehensweise aus.
1 x Mehrfamilienhaus, 17 x Ladestationen, jede Menge Kosten
Folgendes Fallbeispiel aus unserer bisherigen Geschäftstätigkeit illustriert anschaulich, in welchen Dimensionen sich größere Projekte im Bereich Ladeinfrastruktur technisch und finanziell bewegen können.
„Ich erinnere mich noch gut an das erste größere Mehrfamilienhaus, zu dem wir gerufen wurden. Ladeinfrastruktur war hier bereits länger Thema und die Eigentümer hatten bereits ein Angebot eines Elektrikers vorliegen. Die Anfrage: 17 Ladestationen à 11 kW in einer Tiefgarage, die bislang nur einen Anschluss für die Versorgung der Beleuchtung und des Garagentors hatte“, erinnert sich Jonas Schumacher, Gründer und Geschäftsführer der Chargetic GmbH.
Die Angebotserstellung für die Immobilie umfasste bis dahin folgende Eckwerte:
- 21.000 Euro für die Erhöhung der Anschlussleistung auf 160 kW
- 20.000 Euro für die Installation von 17 Zählerschränken
- 5.000 Euro für die Einrichtung eines Technikraums für die Zählerschränke
- 10.000 Euro für die Vorbereitung der Verkabelung für 17 Stellplätze
- 24.000 Euro für die Ladestationen inkl. der Montage und Prüfung
Daraus ergeben sich im exemplarischen Beispiel Kosten von insgesamt 80.000 Euro für 17 Ladestationen, umgerechnet ca. 4.700 Euro pro Ladestation.
Zunächst an dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Der hier genannte Fall betrifft ein großes Wohnobjekt mit einer beträchtlichen Anzahl von Ladestationen und höheren projektbezogenen und bautechnischen Anforderungen. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um Ladelösungen für eine Tiefgarage handelt und eigens ein separater Technikraum eingerichtet werden muss. Ein wesentlich schlankeres Anforderungsportfolio würde sich in deutlich niedrigeren Kosten für Beratung, Planung sowie Umsetzung, niederschlagen. Lassen Sie sich daher nicht von den hohen Werten verunsichern.
Abgesehen von dem augenscheinlich hohen Preis für die beträchtliche Anzahl der Ladestationen und deren Installation, fallen zudem weitere, ebenfalls nicht unerhebliche zu entrichtende Kosten an. Für jede aktiv im Betrieb befindliche Ladestation sind zudem jährlich bis zu 200 Euro Gebühren pro Einheit für den Stromzähler und die Grundgebühr des Stromtarifs erforderlich – ein erheblicher, nicht zu unterschätzender Kostenpunkt angesichts der hohen Anzahl. Und nicht zu unterschätzen ist das sich daraus ergebende Einsparpotenzial.
Frage: Geht es auch eine Nummer kleiner?
Das genannte Beispiel lässt bereits erahnen, dass sich das Projekt, selbst für ein großes Mehrparteienhaus, als überdimensioniert und überfrachtet ausnimmt. Doch die gute Nachricht ist, dass es ein beachtliches Potenzial zur Einsparung und Optimierung gibt – und somit das unheilvolle Anschwellen des Kostenblocks bereits im Vorfeld stark begrenzt. Das zuvor genannte Beispiel lässt folglich die Frage vermuten, ob tatsächlich derart viel Leistung aus dem Stand heraus und zu jedem möglichen Zeitpunkt benötigt wird.

Braucht es tatsächlich eine so hohe Leistung für den ohnehin relativ kurzen Ladevorgang eines normalen E-Autos?
Kann man den überdimensionierten Leistungsoutput verringern, ohne sich oder andere Nutzer im Alltag einschränken zu müssen?
Kurzum, haben Sie bereits das beste Angebot für sich eingeholt?
„Der Leistungsbedarf von Elektrofahrzeugen führt aufgrund der gleichzeitigen Ladevorgänge, insbesondere in den Abendstunden, zu einer hohen zusätzlichen Belastung unserer Betriebsmittel im Netz.“
Zitat: Netze BW GmbH - NETZlabor Intelligentes Heimladen
Gesetzt der Fall, es handelt sich bei den E-Autos nicht gerade um mehrere, je zwei Tonnen schwere Oberklasse-SUVs oder vollelektrische Sportwägen mit besonders leistungsfähigen Akkumulatoren, dann sind weder Ladespitzen zu erwarten, noch bedarf es einer derart umfangreichen Ladeinfrastruktur. Für den angenommenen und als wahrscheinlich geltenden Fall, dass Ihr Elektrofahrzeug, ein marktübliches Modell mit vergleichbaren Leistungsdaten wie ein normaler Verbrenner-PKW ist, können wir mit einer geringeren elektrischen Leistung rechnen.
Betrachten wir einmal die elektrische Anschlussleistung des Beispiels näher:
Mit einer Gesamtleistung von 160 kW bei insgesamt 17 Ladestationen steht jeder einzelnen Ladestation konstant eine rechnerische Leistung von 9,4 kW zur Verfügung. Das ist nicht wenig Standleistung, bedenkt man, dass hiermit der tägliche Verbrauch eines durchschnittlichen E-Autos innerhalb von nur einer Stunde gedeckt werden kann. Genauer, sollte das E-Auto um 17 Uhr zum Laden abgestellt werden, ist es bereits eine Stunde später um 18 Uhr wieder so weit aufgeladen, wie zu Tagesbeginn für den Alltag erforderlich. Mit anderen Worten steht im genannten Beispiel so viel elektrische Leistung zur Verfügung, dass die übrige Standzeit eines jeden E-Autos beispielsweise von 18 Uhr bis 7 Uhr des nächsten Tages ungenutzt bliebe – das heißt, die relative Nutzungsdauer beträgt gerade einmal 5 % im realistischen Nutzungszeitraum.
Sie brauchen wahrscheinlich weniger als Sie denken
Der Einspareffekt durch ein intelligent austariertes Lademanagement wäre beträchtlich, die Anforderungen an die technisch realisierbare Leistungsfähigkeit wären viel geringer und somit auch die Kosten. Ähnlich wie mit dem Besitz eines typischen PKW, unabhängig der Antriebsart, beträgt die tatsächliche Nutzungsdauer kaum mehr als wenige Prozentpunkte pro Tag. Ein PKW verbringt durchschnittlich fast 95 % der Lebensdauer im Stand. Nicht ohne Grund zielen gegenwärtige oder künftige Mobilitätskonzepte auf eine bessere Auslastung der bereits zur Verfügung stehenden Fahrzeuge ab. Komplementär hierzu erweist es sich als große technische Herausforderung für Full-Service Anbieter und Energieversorger, einerseits möglichst schnell zur Elektrifizierung der Mobilität beizutragen, die Versorgungssicherheit bei hohen Ladespitzen zu gewährleisten und zugleich die Vielzahl der Einzelprojekte nicht zu überdimensionieren.

Eine wichtige Abhilfe bieten intelligent konzipierte Systeme für die Steuerung des Lademanagements. Anstatt statischer Lösungen mit einer hohen „Rohleistung“, die in der Gesamtschau betrachtet zu starr und klobig ausfallen, bieten intelligente Lösungen die Möglichkeit, das Angebot näher an den realen Bedarf heranzuführen. Dabei zeigen Studien und Feldversuche der Netze BW GmbH, dass in der Praxis weniger Leistung benötigt wird, wenn man deren Verfügbarkeit und Nutzung intelligent aussteuert.
„Eine mögliche Lösung: Lademanagement. Indem die Ladeleistung zu Spitzenlastzeiten gezielt reduziert wird, wird ein Teil des Ladevorgangs in Zeiten mit niedrigerer Netzbelastung verschoben.“
Zitat: Netze BW GmbH - NETZlabor Intelligentes Heimladen
Anstatt ein Angebot mit einer theoretisch maximal erforderlichen Ladeleistung zu konzipieren, die unter realen Bedingungen nie oder höchst selten jemals abgerufen wird, erscheint es sinnvoller, die unvermeidbaren Kosten durch eine stringente Bedarfsanalyse drastisch zu reduzieren. Einige Kosten fallen zwar grundsätzlich weiterhin an, andere jedoch, vor allem die Kosten für die Anzahl der Ladestationen und deren Leistungsoutput, können maßgeblich reduziert werden.
Antwort: Es geht auch eine Nummer kleiner
Wie hoch kann eine exemplarische Einsparung ausfallen und wäre sie es denn wert? Kehren wir ein letztes Mal zum vorherigen Beispiel zurück. Im zuvor genannten Beispiel haben wir bei der vorausgehenden Bedarfsplanung die angemessene Leistungshöhe mit lediglich 25 kW ermittelt. Dies würde bereits für den alltäglichen Bedarf genügen. Zur Erinnerung: Der scheinbare Bedarf wurde zuvor mit 160 kW, mehr als dem sechsfachen Wert (um genau zu sein 6,4-fachen), veranschlagt. Durch diese und weitere Maßnahmen der Leistungs- und Kostenoptimierung, konnten wir die anfallenden Kosten des Kunden halbieren und die Hürden für den Einstieg in die Elektromobilität wesentlich absenken.
Sie wollen mehr zum Thema Ladeinfrastruktur und dazugehörigen Praxistipps, Hinweisen und Ratschlägen wissen? Dann folgen Sie unserem erst kürzlich online gegangenen Unternehmensblog! In regelmäßigen Abständen folgen weitere Beiträge zu unserer Kurzserie der Praxistipps.
Ihr Team von Chargetic
Offenlegung (Disclosure): Dieser Beitrag wurde nicht extern gesponsert und stellt keine rezensierten Produkte oder Lösungen dar, die als unentgeltliche Produktmuster, Geschenke oder Leihgaben bereitgestellt wurden. Der Beitrag dient informativen Zwecken, wie als Handlungsempfehlung für Leser.

Peter Otto Ruiz
Lassen Sie sich nicht entmutigen!
Der Weg zu Ihrer Ladestation ist machbar - wir helfen
Ihnen gerne dabei.